Einladung zum 154. Jour Fixe

der Stiftung ex oriente

- Chinas Sprache, Kultur und Wirtschaft in Deutschland

am Freitag, den 17. April 2020, um 19:30 Uhr

Ort: Konfuzius-Institut München, Gleichmannstraße 10, 81241 München-Pasing

Die Welt als gemeinschaftlicher Besitz

China zwischen Konfuzianismus, Marxismus und Demokratie

Ein Vortrag von Karl-Heinz Pohl

Die konfuzianische Tradition ist ca. 2.500 Jahre alt. Die Lehren des Konfuzius haben das Leben in China in vergleichbar nachhaltiger Weise geprägt wie in Europa die Lehren des Christentums. Der Konfuzianismus wirkte vor allem gestaltend auf die politische Struktur Chinas. Der Vortrag geht den wichtigsten diesbezüglichen Konzepten nach wie: „Volk als Basis“ (min ben), „Harmonie“ (he), „die Welt gehört allen gemeinschaftlich“ (tianxia wei gong), „bescheidener Wohlstand“ (xiaokang) etc. und erkundet Gemeinsamkeiten zum Marxismus chinesischer Prägung. Dabei wird deutlich, dass nicht nur Chinas vormodernes, sondern auch sein modernes Staatswesen als Meritokratie angesehen werden kann. Es werden die Fragen erörtert, wie kompatibel moderne westliche Demokratievorstellungen mit den traditionellen chinesischen Ordnungsvorstellungen sind bzw. ob oder in welchem Maße letztere noch eine Relevanz für die Lösung aktueller Probleme besitzen. Dabei wird deutlich, dass die Frage, ob eine Demokratie nach westlichem Muster für ein Land mit 1.400 Millionen zurzeit die beste Lösung für China ist, durchaus kontrovers beantwortet werden kann.

Der Vortrag endet mit einem Ausblick auf die Zukunftschancen des gegenwärtigen „Modell China“: Möglicherweise wären sie nicht schlechter, wenn China sich auch an eigenen (konfuzianischen) Idealvorstellungen orientieren würde. Pragmatisch gesehen wäre es dabei durchaus möglich, die bestehende Meritokratie behutsam in rechtstaatlicher Weise auszubauen und somit politische Ordnungsvorstellungen sowohl chinesischer als auch westlicher Herkunft miteinander zu verbinden.

Karl-Heinz Pohl, 1992-2010 Professor für Sinologie an der Universität Trier. Seit 2010 im Ruhestand. Arbeitsgebiete: chinesische Geistesgeschichte, Ethik und Ästhetik des modernen und vormodernen China, interkulturelle Kommunikation und Dialog zwischen China und dem Westen.

Jour Fixe

Jeden zweiten Freitag im Monat laden wir Sie herzlich zu unserem Jour Fixe ein.

In einem ungezwungenem Rahmen mit Vorträgen und kulturellem Programm möchten wir eine Gelegenheit zum gesellschaftlichen Austausch bieten. Der Eintritt ist frei. Sie können unser Online-Formular nutzen und uns Ihre Meinung mitteilen.

Um dauerhaft ein hohes Niveau unserer Jour Fixes sicherstellen zu können, bitten wir Sie um Ihre Unterstützung. Ihre Spende hilft uns auch zukünftig die Kosten für Vorträge und künstlerische Beiträge bestreiten zu können. Gerne können Sie auch für konkrete Projekte spenden. Sprechen Sie uns an.

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